Kirchenbote Mai 1999

Pfälzisches Engagement für die Umwelt in Bolivien
Freundeskreis „Kunan Mink‘a“ Ehrenbürger der Region Independencia - Unterstützung für Sozialprojekt

Obermoschel. Zu Ehrenbürgern der bolivianischen Region Independencia wurden die Mitglieder des bolivianischen Freundeskreises „Kunan Mink‘a“ ernannt. Damit werde das langjährige Engagement der Gruppe gewürdigt, die sich vor allem für Umweltschutz in dem südamerikanischen Land einsetzt, heißt es in der Urkunde des Gebietsrates der Region.

Anlaß der Ernennung war eine Begegnungsfahrt nach Bolivien, die die Pfälzer Gruppe gemeinsam mit dem Landesjugendpfarramt durchgeführt hatte. Die Teilnahme an einem Runden  Tisch zum Thema „Lokale Agenda 21, Demokratie und Volksbeteiligung“ war dabei ein Schwerpunkt der Reise. Sinn des Projektes sei es gewesen, konkrete Zielvereinbarungen zu treffen, die den Umweltschutz in der bolivianischen Region verbessern, so Heinz Fuchs, Mitglied bei Kunan Mink‘a und im Landesjugendpfarramt für entwicklungspolitische Bildungsarbeit zuständig. Teilgenommen hätten neben der deutschen Delegation Politiker der Region, Ärzte, Lehrer, Bauern und andere Interessenvertreter. Als Ziel sei vereinbart worden, einen Schwerpunkt bei der Umwelt- und Hygieneerziehung zu setzen. „Es wurden also keine teuren Großprojekte wie Müllkippen oder Kläranlagen vereinbart, statt dessen soll eine verstärkte Bewußtseinsbildung betrieben werden, die weiterführende Projekte erst sinnvoll macht“, erklärte Fuchs.

Bei den Besichtigungen und Begegnungen konnte sich die Pfälzer Gruppe von den Folgen des Besuchs der bolivianischen Partnerorganisation ,,Fupagema“ 1997 in der Pfalz überzeugen: „Die Bauern der Region setzen jetzt verstärkt auf Fruchtwechsel und vermeiden Monokulturen, sie achten verstärkt auf nachhaltiges Wirtschaften und übernehmen Ansätze aus der alternativen Landwirtschaft“, beschreibt Fuchs die Auswirkungen.

Eine große Veränderung in der Provinzhauptstadt Independencia habe der Anschluß an das Elektrizitätsnetz vor einem Jahr gebracht. „Die Stadt sei jetzt nachts hell erleuchtet, zum ersten Mal entwickele sich ein „Nachtleben“. „Hinzu kommt die Beeinflussung durch das Fernsehen, das gerade Jugendliche schwer beeindruckt - nicht immer zum Positiven“, wie Fuchs betont. Um die Jugendlichen auch wei-terhin in das Gemeindeleben zu integrieren, wolle man gemeinsam mit dem katholischen Sozialzentrum ein „Haus der offenen Türen“ fördern. Zur Finanzierung sei man auf Spenden angewiesen. „Unsere bolivianische Partnerorganisation ist relativ klein und wird deswegen bei der Förderung durch große Hilfsorganisationen zunehmend übergangen. Die haben lieber wenige große Partner als viele kleine, wegen der Verwaltungskosten“, schildert Fuchs die Problemlage. Deswegen wolle Kunan Mink‘a dazu beitragen, daß das Projekt verwirklicht werden kann.  (sam)

    Spendenkonto: Nordwestpfälzer Volksbank, BLZ: 54091800, Konto-Nr.:100900,
    Verbandspfarrei Obermoschel, Freundeskreis Kunan Mink‘a, Kennwort Bolivien.
     

zum Foto:
Gestärktes Umweltbewußtsein: Bauern der bolivianischen Region Independencia setzten auf Fruchtwechsel und alternative Landwirtschaft

Rheinpfalz 9.8.2000

Nordpfalz und Südamerika vereint im "Erdmobil"
 Thomas und Stefanie Henrich organisieren eine rollende Ausstellung zum Thema Ökologie global

FINKENBACH/GERSWEILER:Das "Erdmobil" ist derzeit gar nicht mobil. Noch parkt es vor einer Garage in Finkenbach-Gersweiler und wartet auf seine Innenausstattung. Die läuft auf Hochtouren, aber es braucht halt seine Zeit, bis alles beisammen und installiert ist“, erklärt Mobilbetreuer Thomas Henrich. Er und seine Frau Stefanie sind die geistigen Eltern des ‚Erdmobils“, eine Art Ausstellung auf Rädern zu umwelt-und sozialpolitischen Themen.

Im Oktober soll das informative Gefährt, ein Auto-Anhänger mit aufklappbarer Seite los düsen, um pfalzweit Interessierte über Ökologie, Ökonomie und Soziales im Donnersbergkreis zu informieren. Und in Bolivien! Wieso das denn? Weil das “Erdmobil“ als Projekt der Agenda 21 anerkannt wurde, die über den heimischen Tellerrand hinaus blickt. Und weil die Henrichs dem “Freundeskreis Kunan Mink‘a“ in der Verbandspfarrei Obermoschel angehören, einer Arbeitsgemeinschaft, die seit Anfang der 80er Jahre Projekte in dem südamerikanischen Land unterstützt. Da hat Bolivien sich als Pendant zur Nordpfalz angeboten. ,, Es macht wenig Sinn, hier Kröten von der Straße zu schleppen, während in Südamerika ganze Wälder für immer verschwinden”, unterstreicht Thomas Henrich die Bedeutung einer globalen Betrachtung.

Am „Erdmobil“ ist deshalb auch eine den Henrichs bekannte Stiftung für Entwicklung und Umweltschutz in Ayopaya/Bolivien beteiligt. In den nächsten Wochen wollen die Mitstreiter aus den Anden Info-Material schicken: Fotos, Texte, Videos, bolivianische Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Alles soll hier in den Anhänger rein und dann von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Schule zu Schule, von Veranstaltung zu Veranstaltung gefahren werden.

Mit auf die Reise gehen auch ein Mikroskop mit Kamera, ein Videorecorder und ein Flachbildschirm, die über einen Multimedia-PC miteinander verbunden sind. Auf Homepages werden Infos über die Agenda 21, die Region Ayopaya und den Donnersbergkreis zusammen gestellt. Inventar zum Anfassen gibt‘s auch: das Modell einer Pflanzenkläranlage, ein Fahrrad, mit dem Besucher Energie erstrampeln können, und Terrarien mit Pflanzen aus dem bolivianischen Nebewlwald

Fest installiert werden nur PC und Fernseher, die anderen Exponate kann man rausholen und draußen auf bauen“, erklärt Thomas Henrich mit Blick auf den begrenzten Innenraum im Hänger. Der Lehrer aus Finkenbach will mit seiner Frau und anderen Freundeskreis-Mitgliedern das Mobil auch fahren. Und zwar dorthin, wo es gewünscht wird. "Wenn alles fertig ist, kann man uns anfordern“, wobei die Ausstattung entsprechend der jeweiligen Zielgruppe variieret. "Erwachsene können auch mit reinen Informationen was anfangen, für Kinder nehmen wir dann eher Spiele und Stücke zum Anfassen mit“

Und wer bezahlt das alles? Etwa den Anhänger, der alleine fast 9000 Mark gekostet hat, von den ganzen technischen Finessen abgesehen? Finanziell unterstützt wird das aufschlussreiche Rollkommando vom Ausschuss für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik (ABP) der evangelischen Kirche, von der Landeszentrale für Umweltaufklärung sowie den Entwick-lungsdiensten der katholischen und evangelischen Kirchen. Spenden sind laut den Henrichs aber auch willkommen - damit das Erdmobil“ auch wirklich im Herbst seinem Namen gerecht werden kann. (sig)

- Weitere Informationen erteilen Stefanie und Thomas Henrich, Telefon 06362/8327